Frauen als Priester

Auszüge aus dem Aufsatz von Lic. theol. Kurt Pursch † (Dozent am Bischöflichen Seminar und alt-katholischer Pfarrer zunächst in Bottrop, von 1960 bis 1985 in Bonn):

Frauen als Priester (veröffentlicht in: Internationale Kirchliche Zeitschrift, 63, 1973, 129-167).

Die altkatholische Bischofskonferenz hat auf ihrer Sitzung vom 14. April 1972 in Bern beschlossen, dass Frauen weder die hl. Eucharistie feiern noch die anderen Sakramente spenden dürfen (Anm. 1: Damit ist jedoch nicht die Spendung der Nottaufe gemeint.) […]

Bei der Beantwortung der Frage nach der Priesterweihe der Frau geht man vielfach von der Verkennung des eigentlichen Sinns und Inhalts der Heilsbotschaft aus, von einem verzeichneten Christusbild, wie es mancherorts vertreten wird, und von der Vorstellung, als ob Jesus menschliche, innerweltliche Zielsetzungen verfolgt hätte durch Umsturz und Änderung soziologischer Strukturen. Die Tatsache, dass einzelne Kirchen oder Denominationen die Ordination von Frauen inzwischen praktizieren, ist ein unzulässiges Argument, da man per viam facti nichts beweisen kann.

Die Beweislast kommt darum jenen zu, die sich für die Ordination von Frauen zum Priesteramt entscheiden wollen. Ein solcher Beweis ist jedoch – wie gezeigt werden soll – weder aus der Heiligen Schrift noch aus der einmütigen Überlieferung der Kirche zu erbringen. Da es sich hier um ein theologisches Problem handelt, muss hier auch theologisch argumentiert werden, nicht, wie es vielfach geschieht, nur historisch, soziologisch oder psychologisch. Auch muss das differenzierte Bild der Frau in Ethnologie und Geschichte beachtet und darf nicht einseitig verzeichnet werden. Die Tatsache gibt doch immerhin zu denken, dass eine so eindeutige Tradition und Praxis in der Ablehnung des Priestertums der Frau innerhalb der Kirche besteht, die nicht nur soziologisch begründet sein kann, vielmehr eine ebenso eindeutige Lehre der Offenbarung vorauszusetzen scheint. […]

Es geht hier vielmehr um das primäre Verhältnis von Christus und Kirche. Nur aus dem Priestertum Christi erhält das kirchliche Amt seine Heilsbedeutung und seinen Inhalt. Zudem wäre ein Anspruch auf Normativität einer christlichen Wahrheit im rein praktischen Sinn unter Ausschluss des Rückbezugs auf den Glaubensinhalt in Schrift und Tradition illegitim.

Immer ist es Christus selbst, der in der Kirche als Priester wirkt. Priestertum gibt es darum nur als Stellvertretung Christi, als Repräsentation, als Teilhabe an seinem Priestertum in der Gestalt von sakramentaler und personaler Mitwirkung. «Nicht unser Dienst verleiht dem Amt seine Gestalt, nicht unser Gehorsam schenkt der Berufung ihre Bedeutung, nicht unsere Verantwortlichkeit gibt der Sendung ihren Inhalt, sondern die sich dahingebende Liebe dessen, der den Weg des Gehorsams gegangen ist bis zum Tode, «ja bis zum Tode am Kreuz» (Phil. 2, 8).» (Anm. 6: Bischof P.J. Mans, «Mann und Frau in ihrem Verhältnis zum kirchlichen Amt», in: IKZ 1962, S. 149) Der Priester ist darum primär das von Christus berufene Glied in der mit ihm beginnenden geheimnisvollen Zeugungskette übernatürlichen Lebens. Im Priester wird Christus durch die sakramentale Weihe über die Gnaden der Taufe und Firmung hinaus präsent mit seiner vergebenden Allmacht, mit seiner lehrenden und leitenden Hirtensorge, mit seiner über Raum und Zeit reichenden Kraft der Vergegenwärtigung. Die priesterliche Existenz wurzelt darum völlig in der unsichtbaren Übernatur – dort ist sie gezeugt, und ihrer Entfaltung hat sie dienstbar zu sein. Amt in der Kirche ist immer Dienst, aber nicht jeder Dienst ist auch schon Amt der Kirche. Der Träger des Amtes handelt ja nicht nur als Glied der Kirche, die zwar in all ihren Gliedern das Pneuma empfangen hat, sondern infolge seiner besonderen Sendung und Vollmacht.

Fortsetzung folgt.

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